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Torhaus, Hüftschwung und viel Grün beim Hochhaus-Preis

Gleich zwei Gebäude in Deutschland, beide in Frankfurt/Main, schafften es in die Nominierten-Liste des „Internationalen Hochhaus Preises 2020“ (IHP) zu kommen, der „Omniturm“ zählt sogar zu den fünf Finalisten. Alle 2 Jahre werden von der Stadt Frankfurt/Main, dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) sowie der DekaBank Gebäude aus aller Welt unter die Lupe genommen, die mindestens 100 Meter hoch sind und dabei hinsichtlich einer zukunftsweisenden Gestaltung, Funktionalität, einer innovativen Bautechnik, der Einbindung in die städtebauliche Umgebung sowie Nachhaltig- und Wirtschaftlichkeit punkten können. Aus insgesamt 31 Nominées aus 14 Ländern, die in den vergangenen 2 Jahren realisiert worden waren, wählte die Jury 5 Finalisten – und schließlich den Sieger aus. Am 23. September 2020 wurde dann – coronabedingt per Livestream – aus der Frankfurter Paulskirche dieser Sieger des 9. Internationalen Hochhaus Preises bekanntgegeben…

And the Winner is…
Der mit 50.000 Euro und einer Statuette des Künstlers Thomas Demand dotierte Internationale Hochhauspreis ging in diesem Jahr an das Architekturbüro OMA Office for Metropolitan Architecture, Rotterdam/Peking für das markant als Stadttor-Ensemble gebaute „Norra Tornen“. Die zwei Türme ragen – am Übergang zwischen Stockholm’s neu-entstehendem Stadtteil Hagastaden und dem Stadtteil Vasastaden mit seinen Wohnhäusern überwiegend aus den 1930ern – weithin sichtbar und würfelförmig strukturiert über die Umgebung hinaus. Die IHP-Jury-Mitglieder überzeugte unter anderem das geschickte, „im Versatz gestapelte“ Zusammenfügen der vorgefertigten Beton-Elemente, in Folge dessen für jede Wohnung mindesten ein Balkon entstand und auch die Bauzeit und somit die Kosten sich erheblich reduzieren ließen. Im Vergleich zum ebenfalls nominierten „Luxus-Hochhaus“ Eden in Singapur wollen die beiden 32 bzw. 36 Geschosse hohen Türme Norra Tornen noch relativ erschwingliche Stadtwohnungen in Schwedens Hauptstadt bieten. Mit riesigen Fensterflächen, die sich je Wohnung meist in verschiedene Richtungen orientieren, und verglasten Balkonen hatte das Architektenteam, zu dem unter anderem Reinier de Graaf gehört, auch die langen schwedischen Winter mit wenig Tageslicht im Blick. Aus Feng-Shui-Sicht könnten solche bodentiefe Fenster, die in fast allen der nominierten Hochhäuser zu finden sind – besonders z.B. im 30. Stockwerk – neben viel Licht und einem beeindruckenden Blick latent ein Gefühl von „haltlos und unsicher“ erzeugen. Stabilisierend wirkende Elemente im Wohnraum könnten dann von Vorteil sein.
Mit einem gemeinschaftlich nutzbaren Esszimmer, Kino und Fitnessraum sowie einem Gästeapartment im sogenannten Innovationen-Turm von Norra Tornen möchten die Entwickler Begegnungen innerhalb des Hauses ermöglichen, dabei aber nicht – wie es in asiatischen Hochhäusern häufig der Fall sei, „alles bieten“, sodass man das Haus nicht mehr zu verlassen brauche. Die in Schweden übliche Anbindung an „seinen“ Stadtteil sei weiterhin der Fokus. Für die „optische Integration“ der Fassade des neu entstandenen „Platten-Baus“ wählten die Verantwortlichen eine gerippte Struktur – und dem Beton wurden unter anderem verschiedenfarbige Kiesel zugeschlagen, deren Querschnitt im Sonnenlicht unterschiedlich glänzt, sodass insgesamt ein Braunton entsteht, der sich in Stockholms bestehender Bebauung häufig wiederfindet.

Hüftschwung“ für Sonne
Ebenfalls um Anbindung nach außen und um Licht geht es dem Architekten des Frankfurter Omniturms, Bjake Ingels (BIG – Bjarke Ingels Group). Auch wenn Ingels in diesem Jahr die begehrte Auszeichnung nicht mit nach Dänemark nehmen konnte, wie damals, am 2. November 2016, als er für das Wohnhochhaus „VIA 57 West“ im New Yorker Stadtviertel Hell’s Kitchen ausgezeichnet worden war (siehe dazu auch den Artikel „Die Welt ein Sück schöner gestalten“ auf www.fengshui8kunert.de → Journalismus), so kann er es doch als Auszeichnung sehen, dass sogar 2 der 31 in diesem Jahr nominierten Gebäude aus seiner „Werkstatt“ stammen:
Neben „seinem“ Omniturm gehört auch das für die „Shenzhen Energy Company“ in China erbaute, zweitürmige Headquarter dazu. Es ist 218 bzw. 111 Meter hoch und seine gefaltete Gebäudehülle soll dazu beitragen, Hitze und Blendung durch Sonnenlicht zu reduzieren, besonders auf der Südseite, gleichzeitig im Norden viel natürliches Licht hereinzulassen. Auch bei diesem Gebäude hat Ingels die Strenge der klassischen Gebäudestruktur durch eine spielerische Note des „Hervorkommens, Zurückziehens und Auffaltens“ aufgelockert. Im klassischen Feng Shui kann man solche „Bewegungen“ übrigens gezielt nutzen, um fokussierte Themen zu fördern.

Ein weiteres, in Shenzhen, China errichtetes Hochhaus zählt zu den Nominierten: das von der CCDI Group entworfene Headquarter der Constructa Baidu Group. Von der Straßenseite eine klassisch glatte Front, öffnet es sich zur Seite durch großzügige Terrassen und im Freien liegende Treppenbereiche, die nicht nur eine geneigte Stütze zwischen zwei Gebäudeteilen bieten, sondern auch hier wieder Begrünung, Sitzbereiche und Möglichkeiten des „informellen Austauschs im Arbeitsalltag der Angestellten“.

Doch zurück nach Frankfurt, zu Bjarke Ingels Omniturm, dem zweiten seiner eingereichten und nominierten Gebäude in 2020. Mitten im Bankenviertel Frankfurts, auf der ersten europäischen Straßenkreuzung mit jeweils einem mehr als 100 Meter hohen Gebäude pro Ecke, ist im Dezember 2019 jener „Omniturm“ fertiggestellt worden, der durch zwei Besonderheiten hervorsticht: Er ist das erste Hochhaus in Deutschland, das für eine gemischte Nutzung gebaut wurde. So soll der Turm, dessen Bauherr die Commerzbank ist, „durch einen Mix von traditionellen Bürohochhaus-Mietern und kleineren Start-Ups mit aktivem (Geschäfts-)Leben erfüllt werden, heißt es im begleitenden Werk „Best Highrises 2020/21“. Das erste echte „Hybrid-Hochhaus“ Deutschlands, das Gastronomie, Büros, Wohnungen und Geschäfte unter einem Dach vereinen soll, macht damit, laut Jurorin Ina Hartwig, seinem Namen alle Ehre. Durch „Verschieben“ der unteren Geschosse nach „vorne und hinten“ entstehen in den öffentlich zugänglichen Ebenen Terrassen und Arkaden, die ein Miteinander mit der Umgebung fördern wollen.
Gleichzeitig ist die Mitte des Turmes als Wohnbereich konzipiert – und hierfür hat sich Architekt Ingels den „Hüftschwung“ des Gebäudes ausgedacht: „Diese Geschosse schieben sich in einer dem Lauf der Sonne folgenden Spiralbewegung nach außen“, und bieten damit für die Bewohner beeindruckende Aussichten – besonders auch von den optisch kaum wahrnehmbaren Balkonen, die dadurch entstehen. Für den Anblick des Betrachters bietet die „bewegte Fassade“ eine spielerische Note gegenüber den ansonsten eher streng anmutenden Hochhäusern in direkter Nachbarschaft.

Grazile Wellen schützen vor Wind und Sonne
Geschwungene Balkon-Elemente lassen eine ganz besondere Anmutung entstehen bei dem 48-geschossigen, 180 Meter hohen „GRAND TOWER“ – dem höchsten Wohnhaus Deutschlands, das ebenfalls in Frankfurt/Main entstanden ist. Das von Magnus Kaminiarz & Cie. Architektur geplante Gebäude im Europaviertel der Finanzmetropole bietet durch seine markante Balkonform einen Schutz vor Sonne und Blicken sowie eine Reduzierung der Windlast. Gleichzeitig wollen die Wohnungen dem Nutzer ein Wohlgefühl durch freie Grundrisse und die Ausrichtung am Lauf der Sonne bieten. Ebensolche Kriterien stehen bei Bauplanungen, die in Zusammenarbeit mit Feng-Shui-Experten entstehen, ebenfalls deutlich im Fokus.

Extravagantes Innenleben bis in 194 Meter Höhe
Das LEEZA SOHO in Peking, China, das Zaha Hadid Architects, London entworfen haben, besticht mit schwindelerregender Formensprache in der offenen Gebäudemitte, während die Gebäudehülle von außen kaum erahnen lässt, dass sich zwei Gebäudehälften zu einem Turm zusammenfügen. Auf 45 Stockwerken bietet das Gebäude, nahe dem neuen internationalen Flughafen Beijing Daxing gelegen, flexible Büroflächen für kleine und mittelgroße Unternehmen. Eine unter dem Turm gelegene U-Bahn-Anbindung teilt das Gebäude im 4. Untergeschoss diagonal. Vier Brücken im Inneren des 194,15 Meter hohen Atriums verbinden die beiden dynamisch um 45 Grad rotierenden Gebäudehälften. Dieses höchste Atrium der Welt, das auch als öffentlicher Raum für das neue Fengtai-Geschäftsviertel dient, soll grandiose Ausblicke bieten, Licht bis tief ins Gebäudeinnere lenken und – neben schuppenartigen Glasmodulen an der Fassade – als thermischer Schornstein zur ergänzenden Regulierung des Raumklimas dienen. Gleichzeitig soll die Drehung der beiden Turmhälften Schatten für das Atrium spenden. Ein isolierendes, begrüntes Dach sowie Photovoltaik, Wärmerückgewinnung aus der Abluft oder Ladesäulen für Elektro- und Hybridautos sind nur einige der aufgeführten Punkte dieses LEED-Gold-zertifizierten Gebäudes.

Auch bei den anderen nominierten Hochhäusern spielen Nachhaltigkeits-Aspekte eine wichtige Rolle – wobei die Kriterien je nach Land sehr unterschiedlich gehandhabt werden, wieim Rahmen der Online-Preisverleihung angemerkt wurde.

Extreme Einschnitte für mehr Grün
Bemerkenswert hinsichtlich eines „Naturerlebnisses in der Stadt“ ist die Idee bei „THE STRATFORD“, dem in London erbauten Finalisten des 9. Internationalen Hochhauspreises. Das 143 Meter hohe und 42 Geschosse umfassende Gebäude, das eine Mischnutzung aus Hotel, Eigentumswohnungen sowie Wohnungen auf Zeit bietet, steht auf 2500 Quadratmeter Grundstücksfläche, von denen 1800 Quadratmeter bebaut sind. Die Architekten Skidmore, Owings & Merrill LLP, London haben drei tiefe Einschnitte ins Gebäude gesetzt, die aus Feng-Shui-Sicht zwar die Frage nach dem Stabilitätsgefühl aufwerfen, allerdings auch gemeinschaftlich nutzbare Sky Gardens geschaffen, die zusammen betrachtet eine größere Grünfläche bilden, als die Grundstücksfläche selbst.

Paradies auf Erden
Grün ist auch das markante Thema des Luxus-Hochhauses „EDEN“ in Singapur, das ebenfalls zu den fünf Finalisten des Internationalen Hochhauspreises 2020 zählt. Zwischen den außenliegenden Betonelementen schmiegen sich barock anmutende, muschelförmige Balkone aneinander mit riesigen, integrierten Pflanzkübeln. Das Stadtentwicklungs-Konzept „City in a Garden“ ließen die Architekten Heatherwick Studio, London, hier thematisch buchstäblich mit mehr als 20 heimischen Pflanzenarten in den teils lokal in Handarbeit hergestellten Kübeln auf 105 Metern in den Himmel wachsen. Die 20 Luxuswohnungen, die auf je 282 Quadratmetern Wohnfläche jeweils ein gesamtes Stockwerk umfassen, ermöglichen ein exklusives „Gefühl des Wohnens im Dschungel“, wobei auch hier durch die Architektur entsprechender Sicht- und Sonnenschutz bei gleichzeitiger guter Versorgung mit Tageslicht eingeplant wurde sowie eine extensive Querlüftung, um im Sinne der Nachhaltigkeit u.a. auch auf elektronische Klimatisierung verzichten zu können.

Fazit: Vieles von dem, was bei den 31 in diesem Jahr nominierten Gebäuden ins Auge fällt, erinnert an die Grundideen von Feng Shui: Gebäude, die sich an ihrer Umgebung orientieren, der Mensch, der sich in seinem Zuhause wohlfühlen möchte, in Kontakt mit der Natur – auch über den „hereinkommenden“ Sonnenlauf, über Pflanzen, natürliche Materialien – und in Kontakt mit seinem Umfeld, den Mitmenschen, gleichzeitig mit Rückzugsmöglichkeiten, dabei direkt als Komponente des Gesamtkonzepts die Umwelt im Blick behaltend z.B. über die Nachhaltigkeits-Aspekte in verschiedensten Ausprägungen.
Die nominierten Gebäuden des „Internationalen Hochhaus Preises 2020/ 21“ zeigen, dass dies auch bei Großprojekten für viele Bewohner bzw. unterschiedliche Nutzung umsetzbar sein kann – und in Zukunft sicherlich weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Weiterführende Informationen zum „Internationalen Hochhauspreis 2020/ 21“:
Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt/Main vom 31.10.2020 – 21.02.2021 (www.dam-online.de)

– Buch: Best Highrises 2020/21 DAM/ Jovis-Verlag (ISBN 978-3-86859-644-1)

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