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Ein Himmel voller Kräuter (Teil 2)

… Und während man die Königskerze einerseits bei Husten einsetzen könne – oder wie Hildegard schreibt zur Herzstärkung und bei Heiserkeit, regt Jan Frerichs außerdem dazu an, die Signatur, den Charakter einer Pflanze zu betrachten. So könne die Königskerze alles wieder aus- und aufrichten, angelehnt an ihren stolzen Wuchs. Hierin spiegele sich die Idee, dass diese aufrecht wachsende Pflanze früher bei Gewittern als Schutz– oder Spannungen im Haus – in den Ofen gesteckt wurde und so atmosphärische Spannungen klären half. Über die Signatur könne ebenfalls eine Brücke zu körperlichen Spannungen, die sich um die Wirbelsäule herum zeigen, gezogen werden.

Und so stellt Jan Frerichs die Frage an die Teilnehmer: Warum nicht sich von der Wirkkraft einer der an den Kirchenhimmel gemalten Heilpflanzen, Kräuter oder Lieblingsblume in einer Meditation berühren lassen? Seit jeher würden Kräuter wie der Beifuß von Menschen nicht nur genutzt, um beispielsweise Speisen besser zu verdauen, sondern auch um Zeiten des Übergangs – ob Geburt, Tod oder jahreszeitliche Übergänge – einfach das Leben gut zu meistern. „Sich von Gott, von Engeln dabei unterstützen zu lassen – und von Pflanzen, die um einen herum wachsen, einem gut gefallen, einem Segen, Gnade und Wirkkräfte schenken, das macht die Spiritualität der „kleinen Leute“, die „kleine Tradition“ aus, so Frerichs. „Dazu muss man die Wirkkraft und die Geschichte kennen, die jene Pflanze kennzeichnet.“

Hildegard von Bingen habe die biblischen Kräuter beschrieben, auch jene der Griechen – wie den Salbei, also jene Kräuter, welche die „große Tradition“ kennt: Kaiser, Könige, kirchliche Würdenträger ihrer Zeit. Und sie hat heimische Kräuter beschrieben wie die Schafgarbe, jene Kräuter, mit denen „das Volk“ sich versorgt hat – und von denen einige im „Würzwisch“ – sowie am Kirchenhimmel in Gaulsheim versammelt sind. „So öffnet Hildegard eine Tür und verbindet die große Tradition, die eher die wissenschaftliche Sicht im Fokus hat, mit der kleinen Tradition und ihrer vollkommen anderen Sichtweise“.

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